PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : das unwort des jahres



helle
17.10.2006, 10:34
hallo zusammen,

es scheint beim unwort des jahres heuer so zu sein, wie bei den favoriten für den oscar. da drängen die favoriten auch immer erst im spätherbst auf den markt. mein vorschlag für dieses jahr lautet "präkariat". bisher tendierte ich eher zu "eckpunkt", aber der hat jetzt keine chance mehr bei mir. zitat beck: "manche nennen es auch unterschicht." mit "manche" meinte er wahrscheinlich die paar sozialdemokraten, die es noch gibt. auf anhieb fällt mir da allerdings nur der ottmar schreiner ein.

Nick
17.10.2006, 19:33
Hi, ....Unwörter fallen mir viele ein, die müssen noch nicht mal so Abstrakt klingen wie z.B. Human Outsourcing, - nehmen wir doch einfach mal > Kinderelend< oder > Sozialreformen < , vielleicht >HartzIV oder 1 Euro Jobs <, Arbeitslosenzahlenrückgang ist auch nicht ohne,....da gäb's sicher viele,..wer sucht das Unwort eigentlich aus :?:

Ps: Stimmt, der Hr. Schreiner hat ein gewisses sozialdemokratisches Format, - aber der muss sich mittlerweile in der SPD mit seiner Haltung vorkommen, wie ich mich im Kreise von einem Dutzend psychotherapeutischer Suchtheiler :roll:

Therapiekong
17.10.2006, 22:32
Große Koalition :evil: :evil: :evil:

DonRon
18.10.2006, 22:09
Hi, ....Unwörter fallen mir viele ein...

Wirklich stark finde ich "abgehängtes Prekariat". Was muss ich mir da vorstellen? Ne erlegte Wildsau im Kühlhaus? :x
Ich meine, die ticken doch nicht ganz sauber! :twisted:

Nick
18.10.2006, 23:02
Hi Ronald, zum Thema -Prekariat - vielleicht dies?
http://www.fliegenkoepfe.de/fliegenfalter/fliegenfalter_20_www.pdf

oder vielleicht dies,

http://www.krisis.org./f-schandl_Prekariat_04-2005.html

hier besonders die erste Zeile im letzten Abschnitt,..das ist überhaupt ein interessantes Thema für Leute die in Lohnarbeit stehen. :wink:

Averell
18.10.2006, 23:41
Der erste Link ist wirklich gut!

Nick
18.10.2006, 23:53
Danke,.... auch wenn mein Latein nicht so opulent ist, im Prinzip bin ich durchaus auf Stand. Der zweite Link ist wohl mehr in meiner polit.Haltung als Betriebsratsmitglied zu finden, ....aber auch pauschal übertragbar,....muss natürlich nicht. :roll:

DonRon
19.10.2006, 08:56
Hi Nick
Die Fliegenköpfe sind o.k. Wenn aus den abgelegten Exfrauen jetzt noch "abghängte Exfrauen" werden, gibt es sogar einen Bezug. 8)
Berufszukunftsdeuter á la Horx langweilen mich allerdings ziemlich. :roll:

Gruss

Therapiekong
19.10.2006, 17:17
Der Oberlehrer:

Etwa 8 Prozent der Bevöl*kerung fühlen sich nach einer Studie im Auftrag der SPD-nahen Fried*rich-Ebert-Stif*tung auf der Ver*lie*rer*seite und im gesell*schaft*lichen Abseits. Ihre Distanz zu Par*teien und Poli*tikern ist nach dieser Unter*suchung enorm. Sie fühlen sich von den bis*heri*gen Refor*men am stärks*ten benach*tei*ligt, die Demo*kra*tie halten sie nicht für die beste Regie*rungs*form. Eher stehen sie der Idee des Sozia*lis*mus positiv gegenü*ber.

Gesellschaftsforscher bezeichnen diese wach*sende Gruppe als neue Unter*schicht oder als „ab*gehäng*tes Pre*kariat”. 20 Prozent der Ost*deut*schen und 4 Prozent der West*deut*schen zählen demnach dazu.

Unter Pre*kari*sie*rung (von prekär: unsi*cher, schwie*rig) ver*steht man die wach*sende Zahl der bislang aty*pischen Beschäf*tigungs*ver*hält*nisse in der Erwerbs*arbeit (ge*ringe Sicher*heit, nied*riger Lohn, Teil*zeit, wenig Kün*digungs*schutz) und die daraus resul*tie*ren*den öko*nomi*schen, sozia*len und psy*cho*logi*schen Folgen. „Viele erleben den gesellschaftlichen Abstieg”, heißt es in der Unter*suchung der Wahl*for*sche*rin Rita Mül*ler-Hil*mer vom Insti*tut TNS Infra*test über die „Ge*sell*schaft im Reform*pro*zess”. Die Gruppe werde von Männern domi*niert und sei vor allem im länd*lichen Raum in Ost*deutsch*land stark ver*ankert, wird in der Studie fest*gestellt. Zwei Drittel seien bereits einmal arbeits*los gewe*sen.

Von allen unter*such*ten Gruppen gebe es bei dem „ab*gehäng*ten Pre*kariat” die größte finan*zielle Unsi*cher*heit mit einem gerin*gen Net*toein*kom*men, Schul*den und wenig fami*liärem Rück*halt. „Sie emp*fin*den ihre gesamte Lebens*situa*tion als aus*gespro*chen prekär”, heißt es. Ihr favo*risier*tes Gesell*schafts*modell sei ein stark regu*lie*ren*der Staat, der soziale Absi*che*rung garan*tiert.

Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in dieser Gruppe sei über*durch*schnitt*lich hoch. Bei der Bun*des*tags*wahl 2005 sei dort zugleich der Nicht*wäh*ler-Anteil am höchs*ten gewe*sen. Von denen, die zur Wahl gegan*gen seien, hätten 26 Prozent für die Links*par*tei und 6 Prozent für rechts*radi*kale Par*teien votiert. Für die Rechten sei diese Gruppe inzwi*schen das größte Poten*zial. Die SPD erzielte danach bei dieser Gruppe 32 Pro*zent, die Union 26 Pro*zent.

Was sind eigendlich die Anderen, die das verursachen??

Die aufgehängten ....... :x :x :x

helle
20.10.2006, 02:29
hallo zusammen,

tja, der streit um die begriffe war unseren volksvertretern heute eine "aktuelle stunde" im bundestag wert. da wurde unter anderem behauptet, der begriff "unterschicht" wäre diskriminierend. das begriffe diskriminierend sein können, ist sicher grundsätzlich richtig, aber es kommt auf den zusammenhang an, wie z. b. gewisse bezeichnungen für menschen anderer hautfarbe natürlich diskriminierend sind. beim aktuellen thema scheint es mir unbedingt erforderlich, bei den gewohnten begriffen zu bleiben. alles andere ist durchsichtige verschleierungstaktik bzw. schönrederei der realen zustände.

schnorcheltasse
20.10.2006, 02:33
Mein derzeitiges Lieblings-Unwort bzw. Un-Formulierung:
kulturtechnische Fähigkeiten = lesen und schreiben

MaJa
20.10.2006, 08:07
Moin Moin,
mich nervt das Wort "Unwort" und es ist in seiner eigenen Rubrik bei mir an erster Stelle.
Das klingt für mich etwa wie "abbe Gardinen" oder "zue Kästen".
Karl Krauss würde sich im Grabe umdrehen, müsste er das noch alles hören.

Herzlich
MaJa :D

Nick
23.10.2006, 19:07
...Internet - Phishing = Internet - Betrügereien :wink:

Therapiekong
24.10.2006, 20:26
Kreatives Unwohlsein gefällt mir auch ganz gut....

DonRon
25.10.2006, 21:18
Na der Gipfel des Zynismus ist doch "freisetzen" für kündigen. :twisted:

Man muss das wahrscheinlich so verstehen, das einem der Stuhl vor die Tür gestellt wird, man sich also draußen im Freien hinsetzen kann.

Averell
26.10.2006, 01:10
Oh, DAS kenn ich von Synanon, da hat man so manchen freigesetzt und manchmal stellte sich im Nachhinein auch mal raus, dass man den Falschen freigesetzt hatte. Aber da ist ein Unterschied, denn die konnten ja alle nochmal neu starten.Im Beruf wird man mit 50 rausgewunken und bekommt die Startnummer abgenommen :lol: :lol:

Therapiekong
26.10.2006, 10:08
Oh ja das kenne ich. Besonders wenn Ehemalige das anwenden. Besonders perfide: Die Stelle fällt auf Grund von s.g. Umstrukturierungsmaßnahmen (auch ein schönes Unwort) weg, aber 2 Monate später wird eine neue Stelle geschaffen. :evil: :evil: Und alles in trauter Harmonie mit Betriebsrat und einem "wohltätigen" Landesverband.

MaJa
27.10.2006, 17:41
...und natürlich für wesentlich weniger Besoldung!

Herzlich
MaJa

Nick
27.10.2006, 18:06
..hallo Kong,...ich hoffe Du urteilst da nicht pauschal über Betriebsräte im allgemeinen, ..ich gelte in unserem BR, spez. in den von Dir oben genannten Problemstellungen mittlerweile als verbissener, weltfremder, die Interessen der Mitarbeiter zu sehr im Vordergrund sehender Hardliner, (die Überschrift bei uns im BR ist: Das Wohl des Unternehmens sehen!) und die restlichen BR Mitglieder würden mich mittlerweile lieber draußen als drinnen sehen. Das konnte ich bis jetzt nur verhindern weil sie wissen, das ich dann über die Gewerkschaft den Rechtsweg beschreiten würde. Das ändert natürlich nicht's daran das ich Deine Haltung verstehe und auch teile. :oops: :wink:

Ps: Ich arbeite gerade meinen von der GF gewünschten Nachfolger ein. Ein "Specialist", direkt aus der Schule zu uns in die Einrichtung, - das hat Unterhaltungswert, das sage ich Dir. Fast 20 Jahre reale Suchthilfeerfahrung versus 3 Jahre Studium, - das zeigt die Grenzen des Systems. :lol:

DonRon
27.10.2006, 18:17
...und manchmal stellte sich im Nachhinein auch mal raus, dass man den Falschen freigesetzt hatte.

Man muss eben lernen auch mit Ungerechtigkeiten im Leben zurechtzukommen.

Therapiekong
27.10.2006, 22:37
Man muss eben lernen auch mit Ungerechtigkeiten im Leben zurechtzukommen.

Natürlich, kein Problem. Aber hin und wieder eine "kleine Ermahnung" :lol: :lol: hilft dem Lernprozess.