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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Naikan & Schuld



gorch
13.07.2006, 03:52
Hallo Ronald (DonRon). :D

Also es ist doch wirklich witzig, wie sich immer wieder alles so trifft: ich war, ich glaube um 1990 rum selbst ein ("Kurzzeit-") Fleckenbühler...wenigstens für etwa 3 Monate und bin dann wieder abgehauen. Ich bin süchtig und seit etwa 10 Jahren clean. Kein Alkohol, keine anderen Rauschmittel und seit exakt 127 Tagen auch keine Kippen mehr. Fleckenbühl war u.a. eine kurze aber wichtige Station auf meinem Weg, clean zu werden. Ich glaube nicht, das Du Dich noch an mich erinnern kannst aber ich kann mich recht gut noch an Dagmar, Sören und an Dich erinnern und auch an die Berliner, die gelegentlich kamen und im Spiel in ihrem berlinerischen Dialekt die Sau rausließen. ;-) Mich hat´s nach Knast und einer Therapie bei Tauwetter (SKM) ins Rheinland verschlagen. Mitlerweile arbeite ich hier selbstständig als Webdesigner und als zweites Standbein als Online-Reisespezialist für Reisen in die VAE (Dubai, Oman, etc.) http://www.gorch.net.

Immer wieder mal denke ich dankbar an Fleckenbühl! Eine, meiner Meinung nach, sehr wichtige und wertvolle "Einrichtung".

Jetzt zum Punkt: ich fand auf naikan.de den Fimausschnitt, indem auch Du einen Kommentar zum Thema Süchtige und Schuld abgibst. Mich würde interessieren, was Du damit meinst, dass, so habe ich Dich im Prinzip verstanden, jeder das bekommt, was er zu dem Zeitpunkt auch so wollte oder brauchte. Vielleicht habe ich das aber auch nicht richtig verstanden. Erklärs mir bitte. - Mich interssiert dieser Punkt deswegen so, weil ein wichtiger Punkt meines Cleanwerdens auch der war, dass ich seitens meiner Eltern (da war ich schon länger clean) erleben durfte, wie sie Verantwortung für Ihr "Handeln in der Erziehung an mir" übernahmen und eine Mitschuld daran einräumten, dass Ihre Art und Weise, wie sie mit mir als Kind umgegangen waren, zu der seelischen Verfassung beigetragen haben dürfte, mit der ich dann dem Drogenkonsum entsprechend empfänglich gegenüber wurde.
D.h., ich habe, wie Du das so schön in dem Film sagst, jahrelang Wut und Hass auf meine Eltern gehabt und ihnen eine Mitschuld an dem, ichwill es mal so nennen "Weg in die Sucht" gegeben. Und ich finde diese Schuldzuweisung in diesem Zusammenhang logisch und berechtigt. Ich bin der Ansicht, dass Kindererziehung bedeutet, Verantwortung für ein neues Leben zu übernehmen und sich darüber klar zu sein, dass das auch bedeutet, das ich hier Fehler machen kann, die meinem Kind nachhaltig schaden können. Daher bin ich auch der Meinung, dass es eigendlich eine Art Kinderfühererschein geben müßte und nicht jeder Kinder bekommen dürfte. - Klar ist aber natürlich auch: ich habe mir die Drogen reingetan und ich bin deshalb auch zu recht in den Knast gewandert. Das waren dann die Konsequenzen. Ich sehe das also schon sehr diferenziert.

Wie siehst Du das, bzw. wie hast Du das in dem Filmausschnitt gemeint?

Herzliche Grüße vom Rotter See in der Nähe von Köln,

Jörg Müller

geb. 08 06 1971 -> für die Gruppenzugehörigkeit als Ehemaliger

DonRon
13.07.2006, 15:59
Hallo Gorch,

erstmal herzlich willkommen im Forum! Freut mich zu hören, dass du nüchtern bist und obwohl du es ja nicht bei uns geworden bist, trotzdem die Erfahrung, die du hier hast machen können, als wertvoll bezeichnest. Zu deiner Frage. Ich erinnere mich noch dunkel an dieses Interview, habe das Material gerade nicht zur Hand und bin zu faul es rauszusuchen. Trotzdem, meine Haltung in diesem Zusammenhang ist - glaube ich - immer noch die gleiche. Mal ganz grundsätzlich, Süchtige neigen dazu Aussagen zu machen wie: Die Welt ist ungerecht und nicht fair. Ich habe nicht bekommen, was mir zusteht. Ich wurde benachteiligt. Man hat mir keine Chance gegeben usw. Unter den gegebenen Umständen konnte ich gar nicht anders handeln, als ich es getan habe. Mit dem Ergebnis, die anderen sind schuld an meiner Misere. Da setze ich dagegen, dass ich immer alles gehabt und bekommen habe, was ich gebraucht habe. Ich habe zu jeder Zeit alles was es braucht um glücklich zu sein. Aber aus irgendwelchen Gründen entscheide ich mich dazu unglücklich zu sein. Wenn ich herausfinden möchte, wie ich das tue, muss ich anfangen mich selbst zu beobachten. Meine Gedanken, meine Gefühle, meine Reaktionen. Merkwürdigerweise liegt ja auch im Leiden ein Gewinn. Ich muss herausfinden, was mein Gewinn dabei ist. Hier liegt die Chance zur Veränderung.
Jetzt muss ich erstmal zum Naikan, dass hier gerade läuft. Bis später.

Gruss

gorch
13.07.2006, 16:37
Hi DonRon.
Vielen Dank für Deine Antwort. Passt zu dem, was Du im Film gesagt hast und so wie Du es hier erklärst, kann ich es auch unterschreiben. Mir ist bei meiner Geschichte wichtig gewesen, herauszufinden, bei wem welche Verantwortung für was liegt, welche Ursachen es gab. Ich hatte nämlich, auch ohne Gott und der Welt die Schuld für meine Misere zu geben, oft das Gefühl und das schon lange vor der gelebten Sucht, Spielball meiner Gefühle- und aber auch Spielball der Launen oder von Situationen mit meinen Eltern zu sein. Und auf das Gefühl nur noch ausbrechen zu wollen, passte dann plötzlich nur zu gut die Wirkung einiger Betäubungsmittel. Leider. Op de Driss, wie man hier bei Kölle zu sagen pflegt, hätte ma jood verzischte könne! ;-)
Naikan scheint eine wirklich gute Sache zu sein, um sich selbst zu reflektieren. Daher finde ich es so interessant und habe mich gestern abend im Internet damit beschäftigt. In meinem fall ist es allerdings so, das ich seit Tauwetter praktisch noch bis letztes Jahr in regelmäßigen Abständen Einzeltherapie gemacht habe. Ich wollte mich selbst, meine Geschichte, meine Beziehungen zu meiner Familie und zu Mitmenschen besser verstehen und Probleme im Alltag besser bewältigen können. Daher führt mein Weg gerade etwas weg von Reflektion, in welcher Form auch immer. Aber ich bin äußerst wach, Abstinenz ist bei mir mitlerweile ein "Automatismus unter ständiger Beobachtung" ;-). Und ich bin im Wesentlichen wirklich zufrieden mit meinem Leben!

Ja und Fleckenbühl habe ich als einen Ort erlebt, der ehrlich gelebt werden- und klare Strukturen will! Dessen Bewohner ein außerordentlich hohes Interesse daran haben, ehrlich und authentisch sich selbst und dem Nächsten gegenüber sein zu wollen, Grenzen zu ziehen und einzuhalten und damit die Grundlage für Veränderung zu schaffen. Und seit Fleckenbühl war es so, dass solche Orte und Menschen die dies schätzen, mich angezogen haben. Dort konnte ich mich orientieren. Und Orientierung finde ich in dieser Kommunikations- und ich will fast sogar sagen Vater- armen Welt besonders wichtig. - Also Fazit nochmal: viel authentische Dankbarkeit, was ich bei Euch erleben und mitnehmen durfte und ich hoffe und wünsche mir, dass viele Süchtige Euch kennen- und schätzen lernen!

Bis dahin, ich denke, wir lesen uns nochmal. :-)

Jörg

helle
14.07.2006, 16:53
...Da setze ich dagegen, dass ich immer alles gehabt und bekommen habe, was ich gebraucht habe. Ich habe zu jeder Zeit alles was es braucht um glücklich zu sein. Aber aus irgendwelchen Gründen entscheide ich mich dazu unglücklich zu sein...
ich stimme in so weit zu, dass es wahrscheinlich in jeder noch so bescheidenen lebenslage verschiedene optionen gibt und dass die meisten davon nicht in der sucht enden würden.



...Wenn ich herausfinden möchte, wie ich das tue, muss ich anfangen mich selbst zu beobachten.Meine Gedanken, meine Gefühle, meine Reaktionen...
volle zustimmung bzw. sollte zum rüstzeug des abstinenten süchtigen gehören.



...Merkwürdigerweise liegt ja auch im Leiden ein Gewinn. Ich muss herausfinden, was mein Gewinn dabei ist. Hier liegt die Chance zur Veränderung.
Gruss
ich behaupte, dass für die allermeisten menschen gewinn bzw. veränderung nur aus leiden hervor gehen kann. leiden ist also die voraussetzung dazu.

DonRon
14.07.2006, 20:30
...ich behaupte, dass für die allermeisten menschen gewinn bzw. veränderung nur aus leiden hervor gehen kann. leiden ist also die voraussetzung dazu.

Im Prinzip richtig, Leiden kann ein starker Motivator sein, aber in diesem Fall habe ich es anders gemeint. Wenn ein Kind oder auch eine andere Person andere ärgert, bekommt es negative Reaktionen. Also eigentlich etwas unerwünschtes. Aber in manchen Fällen sind negative Reaktionen immer noch besser als gar keine Reaktionen. Noch ein alltägliches Beispiel. Wenn ich krank bin, erhalte ich mehr Zuwendung als sonst. Was liegt näher, als krank zu sein. :lol: Man kann häufig beobachten, dass jemand mit einem bestimmten Verhalten sich nur Ärger einhandelt und man fragt sich, warum er es nicht einfach lässt. Da kann es dann sinnvoll sein herauszufinden, wo sein Gewinn dabei liegt. Das ist manchmal nicht ganz einfach und manchmal geradezu widersinnig. Aber die Logik dahinter ist die, dass niemand irgendetwas macht ohne daraus einen Vorteil zu ziehen. :x

Gruss

gorch
15.07.2006, 00:49
...hallo helle! wir haben uns noch nicht begrüßt. Irgendwie kommst Du mir vom Gesicht her bekannt vor...- vermutlich sind wir uns damals vielleicht sogar über den Weg gelaufen auf Fleckenbühl. :-)


Aber die Logik dahinter ist die, dass niemand irgendetwas macht ohne daraus einen Vorteil zu ziehen. :x

Ich habe mich jetzt wirklich lange mit meiner und der Psyche anderer Menschen beschäftigt. Und eine ganz wichtige Erkenntnis für mich ist, dass es unglaublich viele Seiten der menschlichen Seele gibt, aus der heraus dann Aktionen folgen, die man als "anders strukturierter" Mensch u.U. erstmal überhaupt nicht nachvollziehen kann. Und es ist schwierig, vermutlich sogar unmöglich, Maßstäbe an die menschliche Psyche anzulegen, die für alle menschen gültig wären. Statistisch gesehen ist das wohl richtig was Du DonRon sagst: keiner macht etwas, wenn er sich nicht in irgendeiner Weise einen LUSTgewinn davon versprechen würde. Und solange der Gewinn an Lust größer ist als das Leid, was mit dem Vorgang des Lustgewinnens einhergeht, wird das Leiden in kauf genommen. Es kann aber auch anders herum sein: die Vorstellung des zu erwartenden Leids, wenn mit dem Lust gewinnen aufgehört wird ist so groß, dass deshalb das aktuelle Leid in Kauf genommen wird, bis hierbei der Leidensdruck so gross wird, dass der Versuch gewagt wird, welches Leid denn nun größer ist. - Letzteres Beispiel ist typisch für Süchtige.
Allerdings kann ich noch etwas anderes zum Thema Leid erzählen und das scheint schon eher eine allgemeingültige Formel zu sein. Lust (nicht ausschließlich im sexuellen Sinne) und aber auch Angst sind enorm große Motivatoren. Ich habe folgendes gelernt: die menschliche Seele sehnt sich immer wieder nach einem Zustand, den sie kennt, in dem sie sich geborgen, sicher, angstfrei fühlt. Selbst und das hattet Ihr ja bereits erwähnt, selbst wenn dieser Zustand in einem negativen Zusammenhang steht. Also Kind wird geschlagen aber Schlagen ist besser als keine Aufmerksamkeit, etc.. In meinem eigenen Leben habe ich auf diesem Hintergrund folgende Erfahrung gemacht: ich habe mir z.B. immer einen ganz bestimmten Frauentyp als Freundin ausgesucht. Und dieser Typ sprang mich geradezu an...der Reiz ging für mich immer nur von diesem Typ Frau aus. Diese Frauen hatten aber leider Charakterzüge, die ich nur zu gut kannte und gegen die ich mich im Elternhaus, vor allem meiner Mutter gegenüber wehement gewehrt- und verloren hatte. Ich war ja Kind und meine Mutter war die Erwachsene und stärker. Nun began ich mich als Erwachsener selbst intuitiv, unterbewußt in ähnliche Beziehungszusammenhänge zu begeben und bekam ähnliche Schwierigkeiten wie damals mit meiner Mutter. Mehrere Beziehungen dieser Art zerbrachen. Durch meine Therapie aber begriff ich, was da falsch lief und, was noch viel wichtiger war, ich begriff, dass ich nun nicht mehr ohnmächtig dieser Frau oder Situation gegenüberstehe, sondern Mechanismen entwickeln kann, mich da rauszuziehen oder mit der Situation anders umzugehen. Zumindest zu erkennen, das ich mich da wieder in einer Situation befand, die mir alzu bekannt vorkommen hätte müssen.

Lange rede kurzer Sinn...die Seele sucht sich unbewältigte Zustände immer wieder mit dem Ziel der Bewältigung. Auch das ist ein Grund, weshalb manche Menschen sehenden Auges in ihr "Unglück" (so definieren wir von außen diese Situation-> für denjenigen ist es vielleicht die Bereicherung mit der Bewältigung) rennen. Problem dabei: wenn sie nicht über die nötigen Mechanismen verfügen, um sich der Situation bewußt zu sein und erfolgreich zu stellen, dann endet die Situation im Fiasko und dieser Mensch wird sich nach einiger Zeit wiederum eine ähnliche Situation suchen (müssen).

In meinem persönlichen Falle hat sich mein Augenmerk auf bestimmte Frauen verschoben hin zu Frauen, die über andere Charakterzüge verfügen. Eine Lehre, die ich ziehen konnte war: nicht ich kann die Frau verändern, sondern ich muss mich verändern. Um entweder mit einer solchen Frau- oder mit einer anderen Art von Frau klarzukommen. Dritte Möglichkeit, allein bleiben und das wollte ich ja nicht. Diese Arbeit an mir selbst ist echt mühevoll. Nun habe ich mitlerweile aber auch eine Frau gefunden, die das ein Stück weit mitträgt und bei der ich mich auch so ein bißchen abarbeiten kann. - Und wie mein letzter Psychodoc so schön formulierte: wenn man eine bestimmte Sache einfach nicht in den Griff bekommt, muss man sich irgendwie zu helfen wissen. Will sagen: du hast ein Bein verloren, da kannste gehen üben so lang de willst, da hilft nur noch ne Krücke. Und ich habe mir auch ein paar krücken gebaut, mit denen ich gut laufen kann. ;-)

Naja, is schon ganz schön kompliziert. Kennt Ihr das Buch "The inner child" von John Bradshaw? http://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind

Das ist echt interessant und beschreibt diese Dinge ganz gut. Obwohl die Amis da immer son bißchen die Art haben zu übertreiben aber ich fands gut beschrieben.

So, das wars für heut. Jetzt TV und gut Nacht! :-)

MaJa
30.10.2009, 20:23
Moin moin,

auf einer Amerikanischen AA-Seite habe ich einen Beitrag gefunden, in dem ein AA-Freund von Naikan als einer guten Möglichkeit der Selbsterkenntnis spricht.
Allerdings wird dort nicht unbedingt die strenge Zen Art verlangt, sondern es ist bequemes Sitzen ebenso erlaubt, wie zeitliche Begrenzung.
Der Freund lebt in Cherokee/Alabama.Er ist Künstler und Musiker und noch nicht allzulange clean.

Herzlich
MaJa

Manfred W.ausM.
31.10.2009, 14:02
erstmal auch ein, hallo von mir an gorch. habe ich das richtig gelesen? du bist jetzt ca. 10 jahre clean und davon 9 jahre in therapie und/oder knast? und seit 127 tagen auch nichtraucher?

nüchterne grüße
euch allen

DonRon
02.11.2009, 10:06
Moin moin,

auf einer Amerikanischen AA-Seite habe ich einen Beitrag gefunden, in dem ein AA-Freund von Naikan als einer guten Möglichkeit der Selbsterkenntnis spricht.
Allerdings wird dort nicht unbedingt die strenge Zen Art verlangt, sondern es ist bequemes Sitzen ebenso erlaubt, wie zeitliche Begrenzung.


Naikan ist weniger eine Methode zur Selbsterkenntnis, eher eine Methode zur Versöhnung mit sich selbst. Bei den AA´s ist der Begriff der Inventur bekannt, damit ist Naikan ein wenig vergleichbar aber - meiner Ansicht nach - ungleich wirkungsvoller. Und zwar, weil es sehr konkret ist und dir genau sagt, wie du vorzugehen hast. Ernsthaft praktiziert ist es ein eigenständiges Programm. Hat mit Zen eigentlich nichts zu tun. Nur soviel, dass es zum Einen aus Japan kommt und auch, dass es aus dem buddhistischen Kulturkreis stammt. Ursprünglich ist es eine Übung gewesen, bei der sich der Übende eine Woche oder auch länger komplett zurück gezogen hat - also in eine Höhle im Wald, oder ähnliches - und dort meditiert hat. Ishin Yoshimoto, der Begründer bzw. Erfinder des Naikan hat daraus eine Übung gemacht, die diesen japanisch-religiösen Ursprung vollständig zurückdrängt und stattdessen eine für alle Menschen, unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund, praktizierbare Übung entwickelt. Man kann es auf dem Stuhl sitzend alleine in einem Hotelzimmer praktizieren oder hinter eine einem Wandschirm auf einer Tatami und einem Kissen sitzend. Das ist nebensächlich.

Gruß

Manfred W.ausM.
02.11.2009, 12:57
geht also darum, in sich zu gehen und noch mal alle fehler die man gemacht hat revue passieren zu lassen, oder wie? und wenn das so sein sollte, wozu soll das dann gut sein? oder verstehe ich das alles falsch?

nüchterne grüße
euch allen

DonRon
02.11.2009, 15:21
geht also darum, in sich zu gehen und noch mal alle fehler die man gemacht hat revue passieren zu lassen, oder wie? und wenn das so sein sollte, wozu soll das dann gut sein? oder verstehe ich das alles falsch?

Falsch ist es nicht, aber auch nicht wahr. Es geht dabei um drei Fragen, die man sich stellt. 1. Was hat die Person (gegenüber der ich mich prüfe) für mich getan? 2. Was habe ich für die Person getan? 3. Welche Schwierigkeiten habe ich der Person bereitet? Geprüft werden immer exakte Zeitabschnitte von 5 Jahren. In der Regel gegenüber den Eltern und sehr nahen Verwandten. Immer von der Geburt an bis zum heutigen Tag. Nicht betrachtet wird die Frage: Welche Schwierigkeit hat die Person mir bereitet. Denn das ist der Fokus unter dem die meisten Menschen ohnehin ihr Leben sehen.
Das klingt erst mal sehr einfach und schlicht, ist aber anstrengend. Ob es was bringt, kann man erst sehen, wenn man es gemacht hat. Ich kenne einige, die es nicht durchgestanden haben, aber alle, die es geschafft haben, waren hinterher froh und es ging ihnen besser. Manchmal führte es zu einer wesentlichen Änderung ihres Lebenskonzeptes.
Bei uns wird es folgendermaßen durchgeführt. Man sitzt und schläft eine Woche (7 Tage) hinter einem Wandschirm. Alle 1-2 Stunden (außer nachts) kommt ein Naikanleiter und stellt dir die drei Fragen und führt dich weiter durch das Programm. Ansonsten wird geschwiegen. Man spricht mit niemanden als dem Naikanleiter. Essen usw., alles was man braucht, wird einem gebracht. Es ist das Rundumsorglospaket. Man konzentriert sich nur auf die geleitete Erinnerung. Eine fantastische und verblüffende Erfahrung.

Gruß

Manfred W.ausM.
03.11.2009, 14:07
ok, dass habe ich verstanden. wie sieht es denn mit den leuten aus die das machen wollen? gibt es da regeln für die teilnehmer? oder kann das jeder einfach so mitmachen? also ich stelle mir vor, dass diese naikan-sache, ganz schön auf die phsyche knallt! ist das dann nicht sogar gefährlich für den einen oder anderen? und kann man als naikan-lehrer so etwas abschätzen?

nüchterne grüße
euch allen

DonRon
04.11.2009, 17:40
ok, dass habe ich verstanden. wie sieht es denn mit den leuten aus die das machen wollen? gibt es da regeln für die teilnehmer? oder kann das jeder einfach so mitmachen?

Es kann bei uns jeder mitmachen der länger als ein Jahr da ist. Außer den Regeln, die ich schon weiter oben im Thread nannte, gibt es keine Regeln.


also ich stelle mir vor, dass diese naikan-sache, ganz schön auf die phsyche knallt! ist das dann nicht sogar gefährlich für den einen oder anderen? und kann man als naikan-lehrer so etwas abschätzen?

Der Übende muss da kein Seelenstriptease machen. Er entscheidet, was er dem Naikanleiter erzählt. Dabei geht es auch nicht so sehr um die Inhalte dessen, was berichtet wird. Der NL wertet nicht, kommentiert nichts, achtet nur darauf, dass der Übende sich wirklich mit den Fragen und dem jeweiligen Zeitraum beschäftigt. Also er achtet nur auf die Struktur. Der eigentliche Prozess läuft auf der Seite des Übenden ab, in dem er sich darauf einlässt und sich erinnert. Es findet insofern kein Dialog mit dem NL statt. Deshalb kann da auch nichts gefährlich werden, der Übende lässt nur das zu, was er zulassen will und kann. Ein Synanonspiel ist sicher "gefährlicher". :)

Gruß

Manfred W.ausM.
06.11.2009, 09:34
weißt du wo so etwas angeboten wird? habe mich da noch nicht so schlau gemacht, ob es im raum berlin so etwas gibt, vielleicht weißt du ja was?
worauf muss ich denn dann achten, wenn ich was gefunden habe? ausbildung des/der naikan-lehrer, erfahrung, diplome, oder so?

nüchternen gruß
manfred

Torben
29.11.2009, 14:00
weißt du wo so etwas angeboten wird?

Hallo Manfred,

ich habe an einen Naikan Kurs in der Nähe von Bremen teilgenommen!

http://www.naikan.de/

Torben
29.11.2009, 14:05
habe mich da noch nicht so schlau gemacht, ob es im raum berlin so etwas gibt, vielleicht weißt du ja was?


Google doch einfach mal ;)!

Torben
29.11.2009, 14:21
Man konzentriert sich nur auf die geleitete Erinnerung. Eine fantastische und verblüffende Erfahrung.


Das kann ich nur bestätigen! Ich war überrascht was mein Gehirn alles gespreichert hat.

Mir kam die Naikan Woche wie ein Film (mein Lebensfilm) vor den ich mir im Kino angesehen habe. Nur das Popcorn hat gefehlt :lol:............. Aber dafür gab es die Woche über feinstes vegetarisches Essen!!!

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war für mich bei der Frage "welche Probleme ich der Person bereitet habe". Somit war ich gezwungener Maßen immer bei mir und nicht wie üblich bei anderen Personen, die ich in der Regel für mein falsches oder mein überhauptnicht Handeln verantwortlich gemacht habe.

Ich kann euch sagen, dass ich nach der einen Woche echt geschockt über mein jahrelanges Verhalten gegenüber meiner Familie, Freunden usw. war!!!!!!!!

Seit der Naikan Woche weiß ich, dass ich für alles was ich mache oder auch nicht mache "selber" verantwortlich bin!

Nix mehr mit du / ihr seit Schuld :)!!!!

Therapiekong
29.11.2009, 14:43
Na ja, wenn ich an einige Arschlöcher denke, mit denen ich zu tun hatte und immer wieder mal noch in meinem Umfeld auftauchen, dann bedaure ich, dass ich diese Leute nicht gleich wie Arschlöcher behandelt habe. :twisted::twisted:

DonRon
29.11.2009, 20:32
Na ja, wenn ich an einige Arschlöcher denke, mit denen ich zu tun hatte und immer wieder mal noch in meinem Umfeld auftauchen, dann bedaure ich, dass ich diese Leute nicht gleich wie Arschlöcher behandelt habe. :twisted::twisted:

Tja Kong, genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Beim Naikan schaut darauf, wo man selbst andere wie ein Arschloch behandelt, statt darauf, wo man "meint", wie ein Arschloch behandelt worden zu sein, weil einen das nun wirklich nicht weiter bringt. :rolleyes:

Gruß

Nick
29.11.2009, 20:48
Ich war überrascht was mein Gehirn alles gespreichert hat.

Seit der Naikan Woche weiß ich, dass ich für alles was ich mache oder auch nicht mache "selber" verantwortlich bin!



..naja,...das ist doch eine Binsenweisheit die einem doch eigentlich auch ohne Vegetarisches Essen bekannt sein könnte,.....

Averell
30.11.2009, 00:02
So toll finde ich die "Erkenntnisse" jetzt auch nicht, aber jeder mag da seinen Weg wählen. Stellt sich nur die Frage, ob es nun was bringt, seinen Weg als das Nonplusultra nach außen zu tragen.

Torben
30.11.2009, 09:09
Stellt sich nur die Frage, ob es nun was bringt, seinen Weg als das Nonplusultra nach außen zu tragen.

Der Weg ist nicht das Nonplusultra! Wie du ja schon sagtest, hat jeder seinen eigenen Weg.

Aber es ist ein gute Möglichkeit sich mit seiner Person und seiner Vergangenheit auseinander zu setzen!

Averell
30.11.2009, 23:36
Sowas wie "stille Treppe" für Erwachsene, na ja warum auch nicht.

Torben
01.12.2009, 17:27
Sowas wie "stille Treppe" für Erwachsene, na ja warum auch nicht.

Was ist das konkret "stille Treppe für Erwachsene"?????

Nick
01.12.2009, 21:46
http://www.talkteria.de/forum/topic-79512.html

Therapiekong
02.12.2009, 18:32
Die stille Treppe, Stuhl oder Ecke macht bestimmt riesen Eindruck auf Jugendliche, die schon zweimal ne Tankstelle mit nem Butterflymesser überfallen haben. :D:D

Manfred W.ausM.
02.12.2009, 19:55
Die stille Treppe, Stuhl oder Ecke macht bestimmt riesen Eindruck auf Jugendliche, die schon zweimal ne Tankstelle mit nem Butterflymesser überfallen haben. :D:D


hehee, der ist super kong!
aber man kann ja die stille treppe etwas verschärfen für die butterflygeneration!

(komm schon, du hattest auch die idee mit der nagelkette für LKW's!)


nüchterne grüße